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Praxis

Wie finde ich ein Jagdrevier?

8. August 2026 · 4 Min. Lesezeit · Jagdgelegenheiten24

Ein Teil der Jagdmöglichkeiten in Deutschland wird im Bekanntenkreis weitergereicht — an den Sohn des Pächters, den Nachbarn, den Jäger, der bei jeder Drückjagd geholfen hat. Genau deshalb hält sich der Eindruck, ohne Beziehungen komme man nicht ins Revier.

Das stimmt so nicht mehr. Wer auf Beziehungen wartet, ist auf den eigenen Umkreis von dreißig Kilometern beschränkt — und auf das, was dort zufällig frei wird. Wer zusätzlich sucht, sieht das Angebot aus ganz Deutschland. Beides zusammen ist der schnellste Weg, und die fünf folgenden Kanäle decken ihn ab.

Weg 1: Jagdgenossenschaften

Der größte Teil der bejagbaren Fläche liegt in gemeinschaftlichen Jagdbezirken. Verpächter ist dort die Jagdgenossenschaft — der Zusammenschluss aller Grundeigentümer im Bezirk.

Diese Genossenschaften schreiben ihre Reviere aus, wenn eine Pachtperiode endet. Die Ausschreibung steht im Amtsblatt der Gemeinde, am Rathausaushang, manchmal im lokalen Anzeigenblatt. Selten im Internet.

Zwei praktische Hinweise: Pachtperioden laufen meist neun oder zwölf Jahre und enden traditionell zum 1. April. Die Ausschreibung erfolgt oft ein bis zwei Jahre vorher. Wer erst im Februar anfängt zu suchen, ist zu spät.

Weg 2: Staatsforsten

Die Landesforstbetriebe sind die einzigen großen Verpächter, die verlässlich öffentlich ausschreiben — HessenForst, die Bayerischen Staatsforsten, die Niedersächsischen Landesforsten, Wald und Holz NRW, Landesforsten Rheinland-Pfalz, Sachsenforst und die anderen.

Für Ortsfremde ist das der zugänglichste Weg überhaupt, weil hier nicht der Bekanntheitsgrad entscheidet, sondern das Angebot. Ausgeschrieben werden sowohl ganze Staatsjagdreviere als auch einzelne Begehungsscheine.

Schauen Sie regelmäßig auf die Seiten des jeweiligen Landesbetriebs und der zuständigen Forstämter. Manche bieten einen Benachrichtigungsdienst an.

Weg 3: Die überregionale Suche

Hier liegt der Unterschied zu allen anderen Wegen: Sie sehen, was außerhalb Ihres eigenen Umkreises verfügbar ist.

Wer nur auf Kontakte setzt, kennt die zwei oder drei Reviere, die in seiner Gegend frei werden — und konkurriert dort mit allen anderen Ortsansässigen. Wer bundesweit sucht, findet Regionen, in denen Reviere auf Pächter warten statt umgekehrt. Der Unterschied im Preis liegt zwischen Nordrhein-Westfalen und Brandenburg beim Faktor vier.

Unter aktuelle Jagdmöglichkeiten lassen sich alle Angebote nach Ort, Jagdgebiet, Art der Jagderlaubnis und Wildart filtern. Wer weiß, in welche Region er will, findet Preisniveaus und Besonderheiten auf den Länderseiten — etwa für Hessen, Bayern oder Brandenburg.

Der zweite, oft übersehene Teil: Sie können selbst inserieren, statt nur zu lesen. Dazu unten mehr.

Weg 4: Kontakte vor Ort

Selbstgebaute Ansitzleiter aus Rundholz, von unten fotografiert
Selbstgebaute Ansitzleiter — wer beim Bau hilft, wird eingeladen.

Hegering, Kreisjägerschaft, Bewegungsjagden. Dieser Weg öffnet Türen, die kein Portal öffnen kann — aber nur dort, wo Sie ohnehin schon sind, und er braucht ein bis zwei Jahre.

Der Grund ist einfach: Ein Revierinhaber, der einen Begehungsschein vergibt, holt sich jemanden ins Revier, dem er vertraut. Er wählt nicht nach Lebenslauf, sondern nach Eindruck.

Konkret heißt das: als Schütze oder Hundeführer zu Drückjagden gehen, bei Nachsuchen helfen, im Frühjahr beim Bau von Ansitzeinrichtungen anpacken.

Der Einwand liegt auf der Hand: Wer heute ein Revier sucht, will nicht zwei Jahre warten. Deshalb ist das kein Ersatz für die Suche, sondern ihre Ergänzung — Kontakte bringen das eine Revier vor der Haustür, die überregionale Suche alles andere.

Weimaraner im Wald, aufmerksam stehend
Als Hundeführer bei Bewegungsjagden entstehen die Kontakte, über die später Begehungsscheine vergeben werden.

Weg 5: Sich selbst inserieren

Der umgekehrte Weg wird unterschätzt. Statt Angebote zu durchsuchen, stellen Sie ein Gesuch ein: welche Region, welche Wildart, wie viel Zeit Sie mitbringen, was Sie an Mitarbeit einbringen können. Wie andere das formulieren, sehen Sie bei den aktuellen Gesuchen.

Das funktioniert besonders dort, wo Reviere schwer zu besetzen sind — im Vogelsberg, in der Altmark, im Bayerischen Wald. Dort suchen Revierinhaber aktiv nach Leuten, nicht umgekehrt.

Was Sie mitbringen müssen

Für einen Begehungsschein genügt der gültige Jahresjagdschein. Für die Pacht eines Reviers verlangt das Bundesjagdgesetz, dass Sie seit mindestens drei Jahren einen Jahresjagdschein besitzen — die sogenannte Jagdpachtfähigkeit. Wer frisch geprüft ist, kommt also zunächst nur über den Begehungsschein ins Revier.

Praktisch erwartet werden außerdem: eine Jagdhaftpflichtversicherung, Erreichbarkeit und die Bereitschaft, tatsächlich vor Ort zu sein. Ein Revier, das zwei Stunden entfernt liegt, bejagt sich schlecht.

Wie lange es dauert

Das hängt fast vollständig von der Region ab. Im Ruhrgebiet, im Rheinland und im Umland von München kommen auf jedes freie Revier ein Vielfaches an Bewerbern; dort sollten Sie mit Jahren rechnen und über den Begehungsschein einsteigen.

In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen ist es umgekehrt: Dort fehlen Pächter, und wer bereit ist zu fahren, findet oft innerhalb weniger Monate etwas. Ein Blick über die Landesgrenze lohnt fast immer — die Jagdmöglichkeiten in der Uckermark sind von Berlin aus in gut einer Stunde erreichbar.

Bevor Sie unterschreiben

Lassen Sie sich das Revier zeigen, fragen Sie nach den Abschusszahlen der letzten Jahre und klären Sie die Wildschadensregelung. Was in einen Vertrag gehört, haben wir in unseren kostenlosen Vertragsvorlagen zusammengestellt. Wer noch schwankt, welche Form überhaupt passt, findet die Unterschiede in unserem Vergleich von Begehungsschein, Jagdpacht und Einzelabschuss.

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