Jagen im Elsass: was deutsche Jäger wissen müssen
10. September 2026 · 5 Min. Lesezeit · Jagdgelegenheiten24

Kurz gesagt: Im Elsass und in der Moselle gilt ein eigenes Jagdrecht aus der Zeit vor 1918: Die Gemeinde verpachtet die Jagd in Losen für neun Jahre, die laufende Periode begann im Februar 2024. Deutsche Jäger können pachten, mitpachten oder als Permissionnaire mitjagen, was dem Begehungsschein entspricht. Nötig sind ein in Frankreich gültiger Jagdschein, eine dort gültige Jagdhaftpflicht und für eigene Waffen der Europäische Feuerwaffenpass.
Wer in Karlsruhe, Offenburg oder Freiburg wohnt, hat es ins Elsass oft näher als zum nächsten freien Revier auf der eigenen Rheinseite. Dass dort seit Jahrzehnten deutsche Jäger pachten, hat aber noch einen zweiten Grund, und der ist rechtlicher Natur: Im Elsass gilt ein Jagdrecht, das dem deutschen näher ist als dem übrigen Frankreich.
Ein Jagdrecht aus deutscher Zeit
Die Départements Bas-Rhin, Haut-Rhin und Moselle gehörten von 1871 bis 1918 zum Deutschen Reich. Einige Gesetze aus dieser Zeit gelten bis heute fort, darunter das Jagdrecht. Es steht inzwischen im französischen Umweltgesetzbuch, folgt dort aber eigenen Regeln.
Das Prinzip: Das Jagdrecht gehört dem Grundeigentümer, ausgeübt wird es über die Gemeinde. Sie fasst die Flächen zu Jagdlosen zusammen und verpachtet sie, meist per Versteigerung. Den Pachtzins erhalten die Eigentümer anteilig, sofern sie ihn nicht der Gemeinde überlassen. Eigentümer größerer zusammenhängender Flächen können sich die Jagd vorbehalten.
Das übrige Frankreich kennt dieses System nicht. Dort bündeln in vielen Gemeinden kommunale Jagdvereine (ACCA) die Flächen, und Mitglied wird man vor allem über Wohnsitz oder Grundbesitz. Für Auswärtige ist das Elsass deshalb deutlich zugänglicher.
Der Takt: alle neun Jahre
Die Gemeindelose werden für neun Jahre vergeben, und zwar in allen Gemeinden gleichzeitig. Die laufende Periode begann im Februar 2024.
Das hat eine unangenehme Folge für alle, die jetzt suchen: Dazwischen kommt kaum ein Los frei. Es wechselt nur, wenn ein Pächter aufgibt oder aus anderen Gründen vorzeitig ausscheidet. Wer ein eigenes Los will, sollte sich deshalb schon Jahre vor der nächsten Vergabe bei den Gemeinden bekannt machen.
Drei Wege ins Revier
Pacht. Das eigene Los, ersteigert bei der Gemeinde oder übernommen von einem Pächter, der aufgibt. Häufig pachten mehrere Jäger gemeinsam und teilen Zins und Pflichten.
Mitpacht. Der Einstieg in eine bestehende Pächtergemeinschaft, wenn dort ein Platz frei wird. Zwischen zwei Perioden ist das oft der realistischste Weg zu einer echten Beteiligung.
Permissionnaire. Das kommt dem deutschen Begehungsschein am nächsten: Der Pächter darf eine begrenzte Zahl von Mitjägern zulassen, die in seinem Los jagen, ohne selbst zu pachten. Weil viele Lose von deutschen Pächtern gehalten werden, laufen Absprache und Vertrag oft auf Deutsch.
Was Sie als deutscher Jäger brauchen
Einen in Frankreich gültigen Jagdschein. Der deutsche Jagdschein allein genügt nicht, er muss anerkannt oder ergänzt werden, und dazu kommt die jährliche Validierung für die Saison. Wie das im Einzelnen läuft, regelt die Fédération départementale des chasseurs des jeweiligen Départements. Klären Sie das vor der Unterschrift, nicht danach.
Eine Jagdhaftpflichtversicherung, die in Frankreich gilt. Sie ist dort Pflicht. Viele deutsche Policen decken das Ausland ab, verlassen sollten Sie sich darauf aber nur mit schriftlicher Bestätigung.
Den Europäischen Feuerwaffenpass, wenn Sie eigene Waffen mitnehmen. Ihn stellt Ihre Waffenbehörde aus, die Waffen müssen darin eingetragen sein.
Signalkleidung bei Gesellschaftsjagden. Bei Treib- und Drückjagden auf Schalenwild ist sie in Frankreich vorgeschrieben.
Was es kostet
Die Pachtzinsen liegen im Elsass häufig zwischen 15 und 50 Euro je Hektar im Jahr, in schwarzwildreichen Losen der Rheinebene auch deutlich darüber, weil dort Bewerber von beiden Seiten des Rheins mitbieten. Ein Platz als Permissionnaire kostet häufig 800 bis 3.000 Euro im Jahr.
Dazu kommt ein Posten, den deutsche Pächter oft unterschätzen: die Abgabe für Schwarzwildschäden. Im Elsass und in der Moselle zahlen die Pächter in einen Fonds ein, aus dem Schäden an Feldern ersetzt werden. In Losen mit hohem Schwarzwildbestand kann diese Abgabe einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen. Fragen Sie vor dem Gebot, wie hoch sie in den letzten Jahren war.
Rheinebene oder Vogesen
Die Rheinebene ist Schwarzwildland: Mais, Wein und Auwälder, dazu Rehwild und Fasan. Hier liegen die begehrtesten und teuersten Lose, und die Drückjagden im Winter sind für große Strecken bekannt.
Die Vogesen sind ruhiger. Tannen- und Buchenwälder mit Rotwild, in den Hochvogesen eine seit den 1950er Jahren eingebürgerte Gamspopulation. Die Lose sind groß, werden aber seltener frei, weil Bergreviere lange in denselben Händen bleiben. Im Norden gehen die Nordvogesen ohne Bruch in den Pfälzerwald über, für Jäger aus der Pfalz ist das die nächstgelegene Adresse.
Worauf Sie im Vertrag achten sollten
- Schriftlich, und in einer Sprache, die Sie vollständig verstehen. Zweisprachige Verträge sind im Elsass nicht ungewöhnlich.
- Laufzeit: Ein Vertrag als Mitpächter oder Permissionnaire endet spätestens mit der Pachtperiode des Loses, also 2033.
- Wildarten und Abschuss: Was ist freigegeben, wie viele Stücke, und wer entscheidet über den Abschussplan?
- Schwarzwildabgabe und Wildschaden: Wer trägt welchen Anteil?
- Wildbret: Wem gehört es, und zu welchem Preis kann es übernommen werden?
Muster für Begehungsschein, Pacht und Einzelabschuss finden Sie bei unseren Vertragsvorlagen. Sie sind auf deutsches Recht zugeschnitten, taugen aber als Gerüst, das Sie mit dem Pächter an die elsässischen Regeln anpassen.
Wo Sie suchen
Freie Plätze im Elsass werden selten öffentlich ausgeschrieben, sie wechseln über Bekanntschaft und Stammtisch. Ein Gesuch dreht die Suchrichtung um: Pächter, die einen verlässlichen Mitjäger suchen, finden Sie, statt dass Sie alle Gemeinden abtelefonieren.
Aktuelle Angebote und Gesuche stehen auf den Seiten für Jagdpacht im Elsass, Begehungsscheine im Elsass und Reviere in den Vogesen. Wer nichts Passendes findet, kann kostenlos ein Gesuch einstellen.
Häufige Fragen
Dürfen deutsche Jäger im Elsass pachten?
Ja. Deutsche Pächter sind im Elsass seit Jahrzehnten verbreitet. Voraussetzung ist ein in Frankreich gültiger Jagdschein.
Gilt mein deutscher Jagdschein in Frankreich?
Nicht ohne Weiteres. Er muss anerkannt oder ergänzt werden, dazu kommt die jährliche Validierung für die Saison. Zuständig ist die Fédération départementale des chasseurs.
Was ist ein Permissionnaire?
Ein Mitjäger, den der Pächter eines Gemeindeloses zulassen darf, ohne dass er selbst pachtet. Das entspricht am ehesten dem deutschen Begehungsschein.
Wann werden im Elsass die Jagden neu verpachtet?
Alle neun Jahre in allen Gemeinden gleichzeitig. Die laufende Periode begann im Februar 2024, die nächste Vergabe steht damit 2033 an.
Was kostet eine Jagdpacht im Elsass?
Häufig 15 bis 50 Euro je Hektar im Jahr, in schwarzwildreichen Losen der Rheinebene mehr. Dazu kommt die Abgabe für Schwarzwildschäden.
Dieser Artikel gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Einzelheiten zu Jagdschein, Validierung und Pachtbedingungen bestätigt die Fédération départementale des chasseurs des jeweiligen Départements.