Jagen in Ungarn: Gastjagd, Papiere und Jagdrecht für deutsche Jäger
7. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit · Jagdgelegenheiten24

Kurz gesagt: Ungarn ist ein Gastjagdland. Das Jagdrecht gehört den Grundeigentümern und wird gemeinschaftlich ausgeübt, meist von Jagdgesellschaften und Forstbetrieben. Deutsche Jäger jagen dort in aller Regel auf schriftliche Einladung, mit ungarischem Jagdschein, Europäischem Feuerwaffenpass, Jagdhaftpflicht- und Unfallversicherung und in Begleitung eines Jagdführers. Ein Revier pachtet man nicht wie in Deutschland.
Hirsche aus Transdanubien gelten seit Jahrzehnten als stark, der Rehbock geht schon im April auf, und Schwarzwild ist das ganze Jahr frei. Das macht Ungarn für viele deutsche Jäger zum naheliegenden Reiseziel. Wer dort jagen will, sollte aber vorher wissen, dass das System ein anderes ist als im Heimatrevier.
Das Jagdrecht: Eigentümer, aber nur gemeinsam
Das ungarische Jagdgesetz stammt von 1996. Wie in Deutschland gehört das Jagdrecht dem Grundeigentümer. Ausgeübt wird es aber nur gemeinschaftlich: Die Eigentümer eines Jagdgebiets bilden eine Gemeinschaft, die das Recht selbst nutzt oder an einen Dritten vergibt. Das sind meist Jagdgesellschaften, Forstbetriebe oder Jagdunternehmen. Ein Jagdgebiet muss mindestens 3.000 Hektar groß sein.
Die Folge für Sie: Ein einzelnes Revier lässt sich nicht pachten wie nach dem Bundesjagdgesetz. Was in Ungarn als „Pacht“ angeboten wird, ist meist ein Anteil an einer Jagdgesellschaft oder ein Vertrag mit einem Jagdbetrieb, mit fester Laufzeit und Abschussplan.
Drei Wege zur Jagd
Gastjagd über einen Veranstalter. Der übliche Weg. Der Veranstalter hält oder vermittelt Jagdgebiete, stellt Einladung, Führer und Unterkunft und rechnet je Tag oder je Stück ab.
Direkte Einladung. Eine Jagdgesellschaft oder ein Forstbetrieb lädt Sie zu einzelnen Tagen oder zu einer Treibjagd ein. Das kommt dem deutschen Begehungsschein am nächsten, ist aber immer an einen Führer und eine schriftliche Einladung gebunden.
Beteiligung an einer Jagdgesellschaft. Wer dauerhaft in Ungarn jagen will, kann sich einkaufen. Rechtsform, Laufzeit, Wildschadensregelung und die Rechte ausländischer Mitglieder sollte ein ungarischer Berater vorab lesen.
Was Sie als deutscher Jäger brauchen
Einen ungarischen Jagdschein. Er wird für Gäste befristet ausgestellt, in der Regel auf Grundlage der Einladung und Ihres deutschen Jagdscheins. Befristungen von 30 Tagen, sechs Monaten und einem Jahr sind üblich. Ihr Veranstalter kennt das Verfahren und nennt die Unterlagen.
Eine schriftliche Einladung. Sie dient zugleich als Nachweis bei der Einreise mit Waffe.
Den Europäischen Feuerwaffenpass, wenn Sie eigene Waffen mitnehmen. Ihn stellt Ihre Waffenbehörde aus, die Waffen müssen darin eingetragen sein. Waffe und Munition werden getrennt transportiert, ungeladen und im Futteral.
Jagdhaftpflicht- und Unfallversicherung. Beides ist für ausländische Gäste verlangt. Prüfen Sie, ob Ihre deutsche Police Ungarn deckt, und lassen Sie sich das bestätigen.
Einen Jagdführer. Gäste jagen in Begleitung und schießen nur Stücke, die der Führer freigegeben hat.
Auch die Technik ist eingeschränkt. Laut Veranstalterinformationen sind Schalldämpfer, Nachtsicht- und Wärmebildgeräte sowie halbautomatische Büchsen nicht erlaubt. Verstöße können ein Jagdverbot nach sich ziehen. Fragen Sie vor der Reise nach der aktuellen Regel.
Jagdzeiten im Überblick
Die Zeiten ändern sich, und Abschusspläne und Trophäenregeln kommen dazu. Als grobe Orientierung gilt:
- Rehbock: ab Mitte April bis Ende September
- Rothirsch: Brunft und Hauptjagdzeit im Herbst, Kahlwild und Kälber bis Januar beziehungsweise Februar
- Damwild: Hirsche im Oktober und November
- Muffelwild: Widder das ganze Jahr, Schaf und Lamm im Herbst und Winter
- Schwarzwild: das ganze Jahr
- Niederwild (Feldhase, Fasan, Fuchs): im Herbst und Winter
Bestätigen Sie die Daten für Ihren Termin immer beim Veranstalter.
Was es kostet
Eine feste Spanne gibt es nicht. Hirsch, Damhirsch, Muffelwidder und Rehbock werden nach Trophäenstärke abgerechnet, meist als Abschussgebühr plus Tagessatz für Unterkunft und Führer. Schwarzwild und Niederwild kosten häufig pauschal je Jagdtag oder je Strecke. Die Preislisten der Veranstalter unterscheiden sich stark, ein Vergleich von zwei bis drei Angeboten lohnt sich. Fragen Sie auch nach Fehlabschüssen, Wildbret und Trophäenausfuhr.
Afrikanische Schweinepest
In Teilen Ungarns, vor allem im Nordosten, trat die Afrikanische Schweinepest bei Wildschweinen auf. Informieren Sie sich vor der Reise über die aktuelle Lage, auch für die Rückreise: Wildbret, Aufbruch und Trophäen von Schwarzwild unterliegen Regeln.
Wo jagt man?
Im Westen und Süden, in Somogy, Tolna und Baranya, wechseln große Laubwälder mit Feldern und Auen. Im Norden bilden Mátra, Bükk und Zemplén die Mittelgebirge. Die Große Tiefebene ist Niederwildland. Auch staatliche Forstbetriebe bieten Gastjagden an.
Auf Jagdgelegenheiten24 finden Sie Angebote aus Ungarn und Gesuche von Jägern, die dort jagen wollen. Wer ein Jagdgebiet in Ungarn anzubieten hat, kann kostenlos inserieren.
Häufige Fragen
Darf ich als Deutscher in Ungarn jagen?
Ja, als Gast. Sie brauchen einen ungarischen Jagdschein auf Grundlage einer schriftlichen Einladung, einen gültigen deutschen Jagdschein und eine Versicherung. Üblich ist die Begleitung durch einen Jagdführer.
Kann ich in Ungarn ein Revier pachten?
Nicht wie in Deutschland. Das Jagdrecht liegt bei Eigentümergemeinschaften und wird an Gesellschaften oder Betriebe vergeben. Möglich ist die Beteiligung an einer Jagdgesellschaft, die ein ungarischer Berater prüfen sollte.
Kann ich meine eigene Waffe mitnehmen?
Ja, mit Europäischem Feuerwaffenpass und Einladung. Waffe und Munition werden getrennt und ungeladen transportiert. Schalldämpfer, Nachtsicht und halbautomatische Büchsen sind nicht erlaubt.
Wann ist die beste Zeit für Ungarn?
Rehbock von April bis Sommer, Hirsch und Muffelwild im Herbst, Damhirsch im Oktober und November, Schwarzwild ganzjährig.
Was kostet eine Jagd in Ungarn?
Das hängt von Wildart und Trophäenstärke ab. Üblich sind Abschussgebühr plus Tagessatz, Schwarzwild oft pauschal. Holen Sie mehrere Preislisten ein.
Dieser Artikel gibt einen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Jagdzeiten, Papiere und Waffenregeln ändern sich; bestätigen Sie sie vor der Reise beim Veranstalter und bei der zuständigen ungarischen Behörde.