JagdGelegenheiten24 Logo
← Zurück zum Ratgeber
Einstieg

Jagdschein in der Tasche – und jetzt?

12. September 2026 · 4 Min. Lesezeit · Jagdgelegenheiten24

Die Jägerprüfung ist bestanden, der Jagdschein liegt im Portemonnaie — und dann steht man da. Ein Revier hat man nicht, eingeladen wird man nicht, und die Kurskameraden sind auch alle noch am Suchen.

Das ist normal. Fast niemand hat direkt nach der Prüfung ein Revier. Hier steht, was der übliche Weg ist und wie lange er dauert.

Pachten geht erst einmal nicht

Das Wichtigste vorweg, weil es viele nicht wissen: Jagdpachtfähig ist nur, wer seit mindestens drei Jahren einen Jahresjagdschein besitzt. Das steht in § 11 Abs. 5 des Bundesjagdgesetzes.

Als frischgebackener Jäger können Sie also gar kein Revier allein pachten, selbst wenn Sie das Geld hätten und eines frei würde. Möglich ist die Mitpacht neben jemandem, der die Frist erfüllt — das ist für viele der erste Schritt, aber selten der allererste.

Die drei Jahre sind kein Ärgernis, sondern eine brauchbare Lehrzeit. Nutzen Sie sie.

Der übliche erste Schritt: der Begehungsschein

Ein Begehungsschein ist eine Jagderlaubnis in einem fremden Revier. Der Pächter räumt Ihnen das Recht ein, dort zu jagen — befristet, in vereinbartem Umfang, entgeltlich oder gegen Mitarbeit.

Für Jungjäger ist das der Regelfall. Es gibt zwei Spielarten:

Der entgeltliche Schein. Sie zahlen einen Jahresbetrag, meist zwischen 400 und 2.500 Euro, und dürfen dafür eine vereinbarte Zahl Stücke erlegen. Was Sie bekommen, ist frei verhandelbar — und deshalb sagt der Preis allein wenig.

Der Schein gegen Mitarbeit. Sie zahlen nichts oder wenig und helfen dafür im Revier: Kanzeln bauen, Wildacker anlegen, bei Drückjagden treiben oder stehen. Für Einsteiger ist das oft die bessere Variante, nicht weil sie billiger ist, sondern weil man dabei etwas lernt und Leute kennenlernt.

Wo Sie suchen sollten

Die Staatsforsten. Fast alle Bundesländer vergeben Begehungsscheine im Staatswald über öffentliche Ausschreibung — Bayerische Staatsforsten, HessenForst, Landesforsten Rheinland-Pfalz, Wald und Holz NRW, Sachsenforst und andere. Das ist der einzige Weg, bei dem nicht zählt, wen Sie kennen. Für Zugezogene ohne örtliche Verbindung ist er der wichtigste.

Der Hegering vor Ort. Gehen Sie zu den Versammlungen, auch wenn Sie dort niemanden kennen. Melden Sie sich für Nachsuchen und Drückjagden als Helfer. Wer zweimal im November bei Regen im Treiben gestanden hat, wird im Frühjahr gefragt, ob er nicht einen Bock schießen will. So läuft es tatsächlich.

Anzeigen. Auf Portalen wie diesem finden Sie Begehungsscheine und Jagdgelegenheiten, die öffentlich ausgeschrieben werden. Das ergänzt die persönlichen Wege, ersetzt sie aber nicht — und umgekehrt gilt genauso: Wer nur auf den Hegering setzt, sieht nie, was außerhalb seines Kreises angeboten wird.

Und der Weg, den kaum jemand nutzt: Stellen Sie selbst ein Gesuch ein. Beschreiben Sie, was Sie suchen und was Sie mitbringen — auch, dass Sie Anfänger sind und bereit, mit anzupacken. Revierinhaber, die einen zuverlässigen Mitjäger suchen, lesen so etwas. Das kostet nichts und dreht die Suchrichtung um.

Womit Sie anfangen sollten, wenn nichts klappt

Es kann Monate dauern. Diese Zeit ist nicht verloren:

  • Nachsuchengespanne suchen fast überall Helfer. Sie lernen dabei mehr über Wild als in jedem Kurs.
  • Drückjagden brauchen im Herbst Treiber und Standschützen. Melden Sie sich bei der Kreisjägerschaft.
  • Einzelabschüsse sind eine Möglichkeit, ohne Bindung zum Schuss zu kommen. Ein Rehbock kostet je nach Region 200 bis 600 Euro — teurer als ein Begehungsschein pro Stück, aber ohne Jahresvertrag.
  • Revierarbeit bei einem Pächter, den Sie kennen. Fragen Sie einfach. Die meisten sagen ja, weil ihnen die Arbeit über den Kopf wächst.

Was Sie beim ersten Schein klären sollten

Bevor Sie unterschreiben — auch bei einem unentgeltlichen Schein:

  • Welche Wildarten sind freigegeben, und wie viele Stücke?
  • Welche Flächen dürfen Sie bejagen — das ganze Revier oder einen zugewiesenen Bezirk?
  • Wem gehört das Wildbret? Das wird oft übersehen und macht über ein Jahr einen dreistelligen Betrag aus.
  • Welche Mitarbeit wird erwartet, und in welchem Umfang?
  • Dürfen Sie Ansitzeinrichtungen mitbenutzen, und dürfen Sie eigene bauen?

Schriftlich. Auch unter Bekannten, und gerade dann.

Der ehrliche Zeitrahmen

Rechnen Sie mit sechs bis achtzehn Monaten bis zum ersten eigenen Begehungsschein, wenn Sie neu in der Gegend sind. Kürzer, wenn Sie über Familie oder Beruf schon Kontakte haben. Länger im Umland der großen Städte, wo sich viele Jäger auf wenig Fläche verteilen.

Und dann drei Jahre, bis Sie selbst pachten dürfen. Die vergehen schneller, als es jetzt klingt.

Wenn Sie sehen wollen, was gerade angeboten wird: In den aktuellen Anzeigen stehen Begehungsscheine, Einzelabschüsse und Reviere. Und was ein Begehungsschein in Ihrer Region üblicherweise kostet, steht in unserem Artikel zu den Kosten eines Begehungsscheins.

Passendes Revier finden

Angebote und Gesuche aus ganz Deutschland — kostenlos und ohne Vermittler.

Zu allen Inseraten